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#06 Von Perth nach Yanchep Lagoon

#06 Von Perth nach Yanchep Lagoon

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Dennoch wollen wir raus aus der Stadt, denn die wahren Schönheiten Australiens sollen ja mitten in der Pampa liegen. Bis Darwin haben wir in den kommenden 35 Tagen etwa 7500 Kilometer plus Abstecher vor uns. Außerdem wollen wir morgen zu den Pinnacles - außergewöhnliche Gesteinsformationen - 200 Kilometer nördlich von Perth, also machen wir Strecke. Da es schon reichlich spät ist und die Sonne im September kurz nach sechs Uhr untergeht, müssen wir uns um einen Schlafplatz kümmern. Die Australier haben uns den Rat gegeben, bloß nicht im Dunkeln zu fahren, weil da viele Kängurus, Wallabies und anderes Getier aus dem Gebüsch auf die Straße hüpft. Kaum haben wir Perth hinter uns gelassen, können wir uns auf der Landstraße direkt davon überzeugen, dass die Aussies Recht hatten. Die ersten fünf Kängurus, die wir in Australien sehen, liegen leider tot am Straßenrand… Zum Übernachten haben wir uns für einen kleinen Ort namens Yanchep entschieden, 50 Kilometer nördlich von Perth an der Küste. Dort soll es laut Karte einen Campingplatz geben. An der Hauptstraße weist ein riesiges blaues Schild zum Campingplatz. Wir fahren nach Yanchep rein - und auf der anderen Seite wieder raus, kein weiteres Schild in Sicht. Acht Kilometer weiter landen wir am Strand von Two Rocks. Auf einem kleinen Parkplatz treffen wir ein deutsches Rentnerpärchen mit Campingbus, das wir fragen, ob wir hier stehen bleiben können. „Das weiß nur der da oben“, antwortet der Mann, „wir hatten aber bisher wenig Probleme und stehen immer wild“. Wir klappen also unser Dach aus und gehen zum gemütlichen Teil des Abends über. Die erste Campingnacht begießen wir mit einem australischen Rotwein. Es dauert keine Stunde, da kommt ein Auto angefahren, ein Typ steigt aus und klopft an die Seitentür. „Hello – you have to move, camping is not allowed“. Mist, denken wir: Campen ist nicht erlaubt, aber auch nicht trinken und Auto fahren. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Wir wollen uns natürlich keine der gefürchteten australischen „Fines“ einhandeln. Die Geldstrafen müssen wohl nach den Sternen, den Ölpreisen oder dem Gusto von ein paar Spießern berechnet worden sein, denn alles, was Spaß macht, kostet horrende „Fines“, „Penalties“, „Prosecutions“, die gleich mehrere hundert Dollar betragen. Das Schlimmste, was man in Australien machen kann, ist, die Regeln zu übertreten, die sich ein paar Leute am Schreibtisch ausgedacht haben. Da auch das Rentnerehepaar sofort geflohen ist, bleiben wir mit unserem Geländewagen lieber auch nicht stehen, fragen aber noch den netten, jedoch sehr bestimmten Kontroletti vom Council, wo wir uns denn nun hinstellen dürfen. Er empfiehlt uns die acht Kilometer entfernte Yanchep Lagoon, wo sie es nicht so ernst mit dem Campingverbot nähmen. Nun gut, andere Dörfer, andere Sitten. Wir tuckern also acht Kilometer weiter. Vor Müdigkeit fallen uns fast die Augen zu, doch wir finden den Platz, hören das Meer rauschen und bauen das Bett. Dafür müssen wir erst einmal die Gepäckstücke von rechts nach links räumen, die Schlafsäcke von links nach rechts und dann nach oben, den Einkauf in den Schrank, und der Rest wie Klappstühle und große Wasserflaschen bleiben da, wo sie sind. Es gibt für unsere Ausrüstung nicht genug Stauraum und einer von uns beiden ist dem anderen immer im Weg. Auf Augenhöhe bugsieren wir drei Holzplatten auf zwei Meter Länge aneinander, es kommen drei Matratzenteile drauf, ein Laken und die Schlafsäcke - und fertig ist das Bett. Was wir nicht so recht bedacht haben: In dem Pop-Up-Dach aus Zeltstoff ist es nachts bei acht Grad Außentemperatur drinnen auch nicht gerade viel wärmer, also frösteln wir uns so durch die Nacht.