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#03 Menschen mit richtig viel Schotter

#03 Menschen mit richtig viel Schotter

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Perth ist bekannt dafür, dass es hier viele Selfmade-Millionäre gibt. Man kann uns nicht gerade nachsagen, dass wir uns in Schicki-Micki-Kreisen bewegen, am Hummerschwanz knabbern und uns aus mangelndem Selbstbewusstsein irgendwelche Statussymbole angeschafft haben. Trotzdem möchten wir gerne mal wissen, was so besonders am Leben der Reichen und Schönen ist und wie es sich anfühlt, einen Tag auf einer dieser überdimensional großen Yachten zu verbringen.

Aus diesem Grund haben wir schon von Deutschland aus Kontakt zu Claude aufgenommen, seines Zeichens Immobilien-Tycoon, der uns zu einem Ausflug auf seiner Yacht mitnimmt. Perth von der Wasserseite aus zu sehen, sei so beeindruckend, das dürften wir uns nicht entgehen lassen, meint Claude. Und tatsächlich ist dieser Ausflug ein Hammer! Im Sportboothafen wimmelt es von Motoryachten, die bei 2 Millionen Euro Anschaffungspreis überhaupt erst anfangen. Claude hat den richtigen Riecher, wenn es um den Verkauf von Immobilien geht, deswegen kann er sich so eine Yacht leisten. Es gebe in Australien wenig Neider, wenn man Erfolg hat, sagt er. Wer im Geld schwimmt, gibt es für Dinge aus, die Spaß machen. Auf Markenklamotten, Schuhe, Autos und sonstige Statussymbole pfeifen die Australier. Am liebsten latschen sie barfuß und mit Badeshorts durchs Leben.

Mit an Bord sind Claudes Freunde Marc, dessen Frau Emma und Tochter Thalia. Als sie hören, dass wir gerade mal zehn Stunden in ihrem Heimatland weilen, stoßen sie mit uns mit leckerem australischen Weißwein auf unsere Ankunft und unsere bevorstehende Reise an und erzählen, was Australien für sie so besonders macht. Marc ist vom Spirit begeistert, das Leben – und besonders das in Perth – sei so unbeschwert. Er zeigt auf den strahlend blauen Himmel und erklärt, dass dies der Normalfall sei. Und weil immer die Sonne scheint, seien die Menschen hier eben bester Dinge, sagt er. Heute, am 10. September, vergleichbar mit dem deutschen März, sind es tagsüber 25 Grad.

Als wir ablegen, fühlt es sich auf Grund der Größe der Yacht eher an, als würden wir mit einer Fähre fahren. Über den Swan River heizen wir mit schlappen 2600 PS direkt auf die Skyline von Perth zu. Die Hochhäuser wecken Erinnerungen an Frankfurt, aber die Sonne, die frische Brise und die salzige Seeluft verscheuchen den Gedanken an die stickige Stadtluft zu Hause.

Weil sich Perth über eine riesige Fläche verteilt, sieht man ihr die Millionenmetropole nicht an. Es gibt eine überschaubare Shoppingzone, eine Ausgehmeile und eine alternative Fress- und Kunstmeile. Die Mischung macht’s. Auch bei den Einwohnern: An Bord der Yacht sind zwar alle dem Pass nach Australier, aber da zumindest die weißen Australier immer irgendwelche Vorfahren aus anderen Ländern haben, lebt Australien auch von den vielen verschiedenen Kulturen, die die Einwanderer mitgebracht haben. Marcs Frau Emma ist Halbitalienerin, in Australien geboren, und sie erklärt uns, dass besonders in Perth das multikulturelle Leben pulsiert. Wir kommen aus dem Quatschen mit den Vieren gar nicht mehr raus, vieles davon nehmen wir mit der Kamera auf und unsere Chipkarten laufen zum ersten Mal heiß.

Schade, dass Claude uns schon wieder Richtung Hafen schippert. Er muss heute noch ein paar Runden in seinem Rennwagen drehen. Was Millionäre halt so machen…